Erfahrene Mitarbeitende nehmen bei ihrem Abschied mehr mit als ihren Schreibtisch. Wie du kritisches Wissen erkennst, dokumentierst und weitergibst, bevor es zu spät ist.
Der erfahrenste Kollege im Team kündigt. Vier Wochen Restlaufzeit, ein volles Projektpostfach und ein Kopf voller Abläufe, die nirgendwo dokumentiert sind. Was jetzt passiert, entscheidet darüber, ob das Team in drei Monaten reibungslos weiterarbeitet oder jede Woche über dieselben offenen Fragen stolpert.
Wissensverlust ist selten ein dramatisches Ereignis. Er passiert schleichend: eine Kündigung hier, eine Elternzeit dort, ein Wechsel in die andere Abteilung. Erst wenn niemand mehr weiß, warum ein Prozess so läuft, wie er läuft, wird der Schaden sichtbar.
Drei Arten von Wissen, aber nur eine steht in der Doku
Nicht alles, was ein erfahrener Mitarbeiter kann, lässt sich gleich gut festhalten:
- Dokumentiertes Wissen steht im Handbuch, im Wiki oder im Ticketsystem. Es ist auffindbar, aber häufig veraltet.
- Implizites Wissen ist das, was jemand tut, ohne darüber nachzudenken: die richtige Reihenfolge bei der Anlage eines Kunden, die Ausnahme bei Lieferant X, der Ansprechpartner für den Sonderfall.
- Beziehungswissen sind die Kontakte: Wer entscheidet wirklich? Wen ruft man an, wenn es eilig ist?
Die ersten Punkte lassen sich sichern. Genau daran scheitern die meisten Übergaben, weil sie sich auf das konzentrieren, was ohnehin schon geschrieben steht.
Fang bei den Aufgaben an, nicht bei den Dokumenten
Der übliche Reflex bei einer Kündigung: „Bitte dokumentiere alles, was du weißt." Das Ergebnis ist ein 40-seitiges Dokument, das niemand liest.
Dreh die Frage um. Nicht „Was weißt du?", sondern:
Welche Aufgaben erledigst du, die sonst niemand im Team beherrscht?
Aus dieser Liste entsteht eine Prioritätenreihe. Meist sind es fünf bis fünfzehn Aufgaben, die wirklich kritisch sind. Alles andere ist entweder dokumentiert, unwichtig oder von mehreren Personen abgedeckt.
Bewerte jede Aufgabe nach zwei Kriterien:
- Wie oft tritt sie auf? Täglich, monatlich, einmal im Jahr?
- Was kostet ein Fehler? Eine falsch angelegte Rechnung ist ärgerlich, eine falsch konfigurierte Maschine ist teuer.
Was häufig vorkommt und teuer ist, wird zuerst gesichert.
Aufzeichnen schlägt Aufschreiben
Für die meisten Abläufe ist das Video die schnellere Dokumentation. Fünfzehn Minuten Bildschirmaufnahme mit Kommentar ersetzen zwei Stunden Schreibarbeit und zeigen nebenbei die Klicks, die in keiner Anleitung stehen.
Das gilt besonders für alles, was am Bildschirm passiert: Systeme, Formulare, Freigabeprozesse. Bei körperlichen Tätigkeiten leistet ein kurzes Handyvideo denselben Dienst.
Wichtig ist nur, dass die Aufnahmen anschließend nicht in einem Ordner verschwinden. Sie brauchen eine Struktur: Wer neu ins Team kommt, muss den passenden Ablauf in Sekunden finden und nicht in einem Laufwerk suchen. Wie das in einem Lernpfad zusammenspielt, zeigen wir im Editor.
Übergabe heißt: jemand macht es einmal selbst
Eine Übergabe ist erst abgeschlossen, wenn die Nachfolge die Aufgabe einmal eigenständig erledigt hat, und zwar mit der Dokumentation und ohne Zuruf. Alles andere ist eine Vermutung.
Plane dafür die letzten zwei Wochen ein:
- Woche 1: Der scheidende Kollege macht, die Nachfolge schaut zu und schreibt mit.
- Woche 2: Die Nachfolge macht, der scheidende Kollege schaut zu und korrigiert die Doku.
Was in Woche 2 an Rückfragen kommt, ist genau die Lücke, die sonst drei Monate später aufgeschlagen wäre.
Mach es zur Routine, nicht zur Notfallmaßnahme
Der eigentliche Fehler liegt nicht in der schlechten Übergabe, sondern darin, dass sie überhaupt nötig ist. Teams, die Wissen laufend festhalten, haben bei einer Kündigung kein Projekt vor sich, sondern eine Aktualisierung.
Drei Gewohnheiten reichen dafür:
- Wer eine Aufgabe zum zweiten Mal erklärt, nimmt sie beim Erklären auf.
- Jede neue Person im Team aktualisiert während der Einarbeitung die Stellen, an denen sie hängen geblieben ist.
- Einmal im Quartal geht das Team die Liste der kritischen Aufgaben durch: Kann das mehr als eine Person?
Das kostet wenige Minuten pro Woche. Eine ungeplante Kündigung kostet ohne diese Routine schnell mehrere Monate Produktivität.
Wenn du sehen willst, wie das für dein Team aussehen kann: In einer kurzen Demo gehen wir gemeinsam deine kritischen Abläufe durch.