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Wenn Wissen in den Ruhestand geht: Warum Wissensverlust zur echten Gefahr wird

Wissen verschwindet selten auf einen Schlag. Es verteilt sich, veraltet und geht mit Menschen in Rente. Wie du mit RAG und KI-gestützten Antworten sichtbar machst, was dein Unternehmen wirklich weiß.

4 Minuten Lesezeitvon Alexander Röse

Im März ist der Kollege aus der Instandhaltung in Rente gegangen, mit Blumen und einer kurzen Rede. Im Juli meldet ein Kunde eine Störung an einer Anlage, die vor elf Jahren als Sonderlösung gebaut wurde. Niemand im Team weiß, warum die Steuerung damals abweichend verdrahtet wurde. Es gibt einen Ordner mit Plänen, eine Mailkette von 2015 und ein Angebot, in dem der Zusatz nur in einer Fußnote steht. Zwei Techniker suchen anderthalb Tage. Am Ende ruft jemand den Kollegen zu Hause an.

Das ist der eigentliche Wissensverlust. Nicht die eine dramatische Lücke, sondern die tägliche Suche nach etwas, das im Unternehmen längst vorhanden ist.

Das Wissen fehlt nicht, es liegt nur überall

Die meisten Unternehmen haben kein Dokumentationsproblem im Sinne von „es gibt nichts". Sie haben ein Auffindbarkeitsproblem. Betriebswissen sammelt sich an drei Orten an, und nur einer davon ist durchsuchbar:

  • In den Köpfen. Wer bei welchem Lieferanten anruft, welche Ausnahme bei welchem Kunden gilt, warum eine Maschine morgens anders anläuft als nachmittags. Dieses Wissen ist selten aufgeschrieben, weil es sich nicht wie Wissen anfühlt, sondern wie Alltag.
  • In Dokumenten, die niemand findet. Das Prozesshandbuch liegt auf dem Netzlaufwerk, in Version 4 und Version 4final. Beide sind drei Jahre alt und beschreiben den Sollzustand, nicht die gelebte Praxis.
  • In Verläufen. Tickets, Mailketten, Chatnachrichten. Hier steht oft die genaueste Antwort, inklusive Begründung. Nur findet sie niemand wieder, weil niemand die richtigen Stichworte kennt.

Fehlende Dokumentation ist also seltener das Problem als verstreute Dokumentation.

Die Rechnung, die niemand schreibt

Suchzeit taucht in keiner Kostenstelle auf. Sie steht nicht auf einer Rechnung und niemand meldet sie als Ausfall. Genau deshalb bleibt sie unsichtbar, obwohl sie das teuerste Symptom ist.

Rechne es einmal für dein Team durch: Wie oft in der Woche fragt jemand eine Kollegin etwas, das er auch hätte nachlesen können, wenn es auffindbar wäre. Jede dieser Fragen kostet zweimal Zeit, einmal beim Fragenden und einmal bei der Person, die antwortet und dabei aus ihrer eigenen Aufgabe gerissen wird.

Der zweite Posten ist die Einarbeitung. Neue Mitarbeitende sind nicht langsam, weil sie ihren Beruf nicht können. Sie sind langsam, weil sie nicht wissen, wo sie nachsehen sollen. Wie sich das systematisch abkürzen lässt, haben wir im Beitrag zum Onboarding beschrieben.

Es wird nicht einfacher, sondern jedes Jahr mehr

Komplexität wächst in eine Richtung. Es kommen eine neue Software dazu, eine geänderte Norm, eine zusätzliche Produktvariante, ein weiterer Standort. Fast nichts davon wird jemals wieder entfernt. Die Sonderregelung von 2019 gilt weiter, auch wenn nur noch zwei Menschen wissen, dass es sie gibt.

Damit wächst der Anteil an Wissen, den eine einzelne Person nicht mehr überblicken kann. Vor fünfzehn Jahren konnte ein erfahrener Mitarbeiter den größten Teil seines Bereichs im Kopf haben. Heute ist das rechnerisch nicht mehr möglich, egal wie gut jemand ist.

Der Generationswechsel läuft bereits

Das Personalwesen kennt die Zahlen als Erstes. Austritte durch Renteneintritt stehen Jahre im Voraus fest, anders als eine Kündigung. Das ist die gute Nachricht, denn es gibt einen Vorlauf.

Genutzt wird er selten. Übergaben werden in die letzten vier Wochen gelegt, in denen ohnehin Resturlaub, Abschlussprojekte und Abschiedstermine liegen. Was dann entsteht, ist ein Dokument, das die Nachfolgerin einmal liest und danach nie wieder findet. Die eigentliche Frage kommt sechs Monate später, wenn der Sonderfall zum ersten Mal auftritt.

Was sich mit RAG ändert

RAG steht für Retrieval Augmented Generation. Der Kern ist unspektakulär und genau deshalb wirksam: Die KI weiß nichts über dein Unternehmen, sondern durchsucht bei jeder Frage euer eigenes Material und formuliert die Antwort aus dem, was sie dort findet. Vier Dinge werden dadurch praktisch möglich:

  1. Fragen statt Stichworte. „Warum bekommt Kunde Meier abweichende Prüfintervalle" liefert ein Ergebnis, auch wenn im Dokument nirgends das Wort Prüfintervall steht. Die Suche versteht die Frage, nicht nur die Buchstaben.
  2. Antwort statt Trefferliste. Wer eine Liste mit vierzig Dokumenten bekommt, sucht danach weiter. Wer drei Sätze und die Begründung bekommt, arbeitet weiter.
  3. Quelle mitgeliefert. Jede Antwort verweist auf die Stelle, aus der sie stammt. Das ist der Unterschied zwischen einem nützlichen Assistenten und einem Werkzeug, dem im Zweifelsfall niemand traut.
  4. Lücken werden sichtbar. Das ist der unterschätzte Teil. Fragen, auf die das System keine Antwort findet, sind eine Liste. Diese Liste ist dein Dokumentationsrückstand, sortiert nach echtem Bedarf statt nach Vermutung. Zum ersten Mal lässt sich Unternehmenswissen untersuchen, statt es zu schätzen. Wie das mit euren Inhalten zusammenspielt, zeigt die Seite zur KI-Unterstützung.

Der Effekt: Wissen muss nicht mehr vollständig aufgeschrieben sein, um nutzbar zu sein. Es muss auffindbar sein.

Womit du diese Woche anfängst

Du brauchst dafür kein Großprojekt. Drei Schritte reichen für den Einstieg:

  1. Sammle zehn echte Fragen der letzten Woche. Nicht erfundene, sondern die, die tatsächlich im Chat oder auf dem Flur gestellt wurden.
  2. Prüfe bei jeder, wo die Antwort steht. Im Kopf einer Person, in einem Dokument, in einem alten Ticket oder nirgends. Diese Verteilung ist deine Bestandsaufnahme.
  3. Nimm den Bereich mit dem größten Risiko zuerst. Das ist fast immer der, in dem die nächste Person in Rente geht.

Wissensverlust ist vermeidbar, aber nur mit Vorlauf. Nach dem letzten Arbeitstag ist jede Lösung teurer als vorher, und manche gibt es dann nicht mehr.

Wenn du sehen willst, wie das mit euren eigenen Unterlagen aussieht, buch dir eine Demo. Wir schauen gemeinsam, welche Fragen euer Material heute schon beantwortet und welche nicht.

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